Samstag, 13. November 2010

Der Alltag eines Leistungsschwimmers


Es gibt Menschen, die hassen Sport. Es gibt Menschen, die machen „ein bisschen“ Sport. Und es gibt eben Menschen, die machen Leistungssport. Da ist der Sport nicht nur Hobby, sondern auch Lebenseinstellung. Man richtet sein komplettes Umfeld, seine Veranstaltungen und auch die Zeit, die man mit Freunden verbringt absolut nach dieser einen Sache aus. Man achtet auf so viele Dinge, die einem „Nicht-Sportler“ gar nicht auffallen würden. Beispielsweise Ernährung: Nach einem harten und auslaugenden Training möglichst viele Kohlenhydrate zu sich nehmen – vorzugsweise durch Nudeln oder Vollkornprodukte. Außerdem sind für den Muskelaufbau Eiweiße sehr wichtig. Die kann man vor allem durch den Verzehr von (Rind-)Fleisch und Fisch zu sich nehmen. Und sollte das nicht genug sein, gibt es ja noch genug Muskelaufbaupräparate. Ja, die gibt es auch auf legalem Wege und sie stehen nicht auf der Dopingliste (zumindest mal nicht alle…). Außerdem muss man darauf achten, dass man genügend Schlaf bekommt – gerade in einer harten Trainingsphase kann eine durchgefeierte Nacht den Körper völlig aus dem Rhythmus bringen.
Dies zunächst einmal zur allgemeinen Situation eines Leistungssportlers. Nun zum – im Titel bereits erwähnten – Alltag eines Leistungsschwimmers. Ich kann hier von persönlichen Erfahrungen berichten, die eine lange Zeit meines Lebens geprägt haben.
 
Morgens: 5 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich verfluche ihn, schließe noch für eine Minute die Augen und quäle mich dann aus dem Bett. Ich ziehe mich an, putze die Zähne und esse eine Kleinigkeit – vielleicht eine Banane oder einen Müsliriegel. Danach wird die am Abend gepackte Schultasche geschnappt, die Kosmetiktasche eingepackt und los geht’s. In Zeiten, in denen ich noch keinen Führerschein hatte, mussten Mama oder Papa herhalten. Die waren natürlich auch nicht unbedingt erfreut, um ihren Schlaf gebracht zu werden. Um 5:40 Uhr dann in der Schwimmhalle, umziehen und kurz aufwärmen. Man starrt müde vor sich hin, den anderen aus der Trainingsgruppe geht es nicht anders. Der Trainer sagt das Programm an – und dann folgt der erste große Moment der Überwindung: mit dem Gefühl der wärmenden Bettdecke noch auf der Haut soll ich nun in dieses eiskalte Wasser springen?! Es gibt angenehmere Momente im Leben.
Doch der „Schock“ hat auch einen Vorteil: man ist dann wach. 
Das Programm, das dann folgt, hängt mit dem Zeitpunkt in der Saison zusammen; sei es Ausdauertraining mit langen Serien oder Schnelligkeitstraining mit vielen kurzen Sprints.
Um 7 Uhr ist die erste Einheit beendet, duschen, umziehen, Haare föhnen und dann direkt in die Schule. Nach der Schule kurz Mittagessen, sich ein bisschen um die Hausaufgaben kümmern und dann um 15 Uhr schon wieder los ins Training.
Hier stehen dann 60-90min Landtraining auf dem Plan, entweder Krafttraining an den Geräten oder Rumpfstabilisation mit Gymnastik- und Medizinbällen. Immer mit abschließendem Dehnprogramm – Flexibilität ist extrem wichtig! Die 2 Stunden Wassertraining, die folgen, hängen wiederum vom Saisonstand ab. Hat man diese hinter sich: wieder duschen, Haare föhnen, ab nach Hause. Abendessen, vielleicht noch die restlichen Hausaufgaben erledigen –
und dann völlig fertig ins Bett fallen.
Nur um das gleiche am nächsten Tag wieder zu tun.
Und am nächsten.
Und am nächsten. . .

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